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Seit wann gibt's Crustaceen ?

 
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Skype Status [www.SkypeRunners.com] Ryk
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Anmeldungsdatum: 01.01.2005
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1860 Garnelen

BeitragVerfasst am: So Nov 14, 2010 6:18    Titel: Seit wann gibt's Crustaceen ?

Hallo zusammen !

Dieser Tage geisterte über ""Welt-Online" eine Meldung, wonach Paläontologen in Oklahoma versteinerte Überreste einer Garnele entdeckt haben, deren Alter auf rund 369 Millionen Jahren (= Karbon) datiert wird. Das sehr gut erhaltene Fossil gilt damit gemäss der zitierten Meldung als die älteste Garnele der Welt. - Unter www.scinexx.de findet man allerdings eine bessere Abbildung dieses Fossils in Gegenüberstellung zu einer rezenten Garnele !

Aus der Forschung wissen wir heute, dass gerade die Crustaceen mit ihrer relativ graduellen Entwicklung ideale Voraussetzungen für die Evolutionsbiologie bieten. Das belegen u.a. die tatsächlich noch älteren Krebsspuren, die im Kambrium gefunden und auf ein Alter zwischen 505 bis 520 Millionen Jahre eingestuft werden.

Das Kambrium entspricht in der Erdgeschichte der ältesten geochronologischen Periode, die gemäss dem neuesten Stand der Chromostratigraphie von 2009 dem Zeitraum zwischen 542 bis 488,3 Millionen Jahren zugeordet werden muss. Wenn man - um mit Prof. H. Lesch zu sprechen - das ganze Geschehen, das sich seit Anbeginn bis heute auf unserem Planeten ereignet hat, auf ein Jahr zusammenpressen würde, so fand das Kambrium vom 15. bis 21. November statt. Bereits 2004 wurde eine neue Unterteilung dieser Epoche in vier Serien mit insgesamt zehn Stufen vorgenommen, die jedoch noch nicht alle formal benannt sind.

Sonderfall "Orsten"-Fossilien

Aus der Kambrium-Zeit stammen denn auch besondere Fossilien, die uns weit mehr über die Entwicklung der Krustentiere verraten als die 15'000 fossilen Trilobitenarten jener Zeit. Die Rede ist von den "Orsten"-Fossilien (Orsten = schwedisch: Knollen). Diese Funde stammen aus einem wichtigen kambrischen Fossilarchiv, das vor einigen Jahren in Västergötland gefunden wurde. Inzwischen entdeckte man diese in Alaunschiefern eingeschlossenen Kalkknollen noch in einigen anderen Gebieten, sogar auch in Australien !

Das Bedeutendste ist, dass in diesen Orsten nicht nur mikroskopisch kleine Arthropoden, sonder sogar ganze Entwicklungsreihen von Krebsnauplien aufgeschlossen werden können. Für die bildliche Darstellung dieser Fossilien entwickelte J.H. Haug (Uni Ulm) aus einer Abwandlung der aus der Paläobotanik bekannten Kompositfluoreszenz bekannten Technik eine Methode, für die unter dem Fluoreszenzmikroskop bei 100-facher Vegrösserung mehrere hundert Einzelaufnahmen erstellt werden, die dann zu einem einzigen hochauflösenden Gesamtbild zusammen gefügt werden (Haug et al., 2008). Dank dieser Technik lassen sich in den Bildern z.B. von einer Larve eines fossilen Fangschreckenkrebses selbst feinste Borsten an den Beinen sowie andere Körperstrukturen erkennen.

Von besonderer Bedeutung dürften aber die in der Nähe von der Zürcher Partnerstadt Kunming (China. Provinz Yunnan) gefundenen Orsten-Fossilien sein. Die von Prof. D. Waloszek und Mitarbeitern seiner Arbeitsgruppe "Biosystematische Dokumentation" (Uni Ulm, 2008) bearbeiteten Fossilfunde sind unter dem Namen Yicaris dianensis bekannt und werden auf ein Alter von 520 Mio Jahre datiert. Zudem wurden aus diesen bei Kunming gefundenen Knollen sogar ganze Abfolgen der Nauplienentwicklung herausgelöst !

Grüsse Ryk
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Skype Status [www.SkypeRunners.com] felixS
Garnele
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Anmeldungsdatum: 05.02.2009
Beiträge: 127
Wohnort: Ammerswil
220 Garnelen

BeitragVerfasst am: Mo Nov 15, 2010 10:47    Titel:

Hallo Ryk

Da beschäftigen wir uns ja mit ziemlichen Oldtimern. Wenn man bedenkt wieviele Tiergruppen seither ausgestorben sind, müssen die Garnelen schon sehr optimal gebaut sein.

Felix
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Skype Status [www.SkypeRunners.com] Ryk
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Anmeldungsdatum: 01.01.2005
Beiträge: 868
Wohnort: Zürich
1860 Garnelen

BeitragVerfasst am: Mi Nov 17, 2010 11:40    Titel:

Grüezi Felix !

Mit Deinem Hinweis schneidest Du tatsächlich ein recht brisantes Thema an !

Was die Garnelen und Krebse betrifft, so wissen wir heute ja von deren effektiven Urformen praktisch nichts, weil diese "Vorstufen" heute noch völlig unbekannt sind. Das hängt damit zusammen, dass wir Versteinerungen erst ab der Zeit von 524 Millionen Jahren kennen. In der zeit davor, im sog. Präkambrium, sind leider noch keine Fossilien bekannt. Das hängt damit zusammen, dass eine Fossilierung eines Organismus' nur in Sedimentgesteinen erfolgen kann. Daher wissen wir über die rund 4 Milliarden Jahre der Vorkambriumzeit, seit die Erde besteht, praktisch nichts über deren Besiedelung ! -- Das kümmerte ja den ehrenwerten Kardinal aus dem Jahre 420 im Vatikan nicht, denn nach seiner ""exakten Berechnung"" entstand die Erde ja ohnehin erst am 17. Oktober 4002 v. u. Z. ! !

Noch ein Hinweis: Der Begriff "Fossil" stammt übrigens vom Zürcher Naturforscher Conrad Gessner (1516 - 1565), weiland "Gesnerus" genannt, weil es in der Zeit der Renaissance zum "guten Ton" gehörte, seinen Namen zu latinisieren . . . Wink

Gruss Ryk
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Skype Status [www.SkypeRunners.com] felixS
Garnele
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Anmeldungsdatum: 05.02.2009
Beiträge: 127
Wohnort: Ammerswil
220 Garnelen

BeitragVerfasst am: Mi Nov 17, 2010 20:22    Titel:

Hallo Ryk

Dass das Vorkambrium deshalb "unbekannt" ist, war mir bisher nicht geläufig. Wieder was gelernt! Aber woher wissen wir seit wann es denn Leben auf der Erde gibt ohne Versteinerungen?

Es ist natürlich logisch, dass je weiter wir zurückgehen desto weniger Gestein vorhanden ist. Aber gar kein Sedimentgestein? Da müssen die Geologen nochmals auf die Suche gehen. Smile

Aber, dass einige Tiere genetisch statisch sind und andere einen schnellen Wechsel haben ist schon ein Rätsel.

Felix
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Skype Status [www.SkypeRunners.com] Le Brasché
Junggarnele
Junggarnele

Anmeldungsdatum: 12.09.2009
Beiträge: 56

148 Garnelen

BeitragVerfasst am: Mi Nov 17, 2010 22:59    Titel:

Ryk hat Folgendes geschrieben:
Das hängt damit zusammen, dass wir Versteinerungen erst ab der Zeit von 524 Millionen Jahren kennen. In der zeit davor, im sog. Präkambrium, sind leider noch keine Fossilien bekannt. Das hängt damit zusammen, dass eine Fossilierung eines Organismus' nur in Sedimentgesteinen erfolgen kann. Daher wissen wir über die rund 4 Milliarden Jahre der Vorkambriumzeit, seit die Erde besteht, praktisch nichts über deren Besiedelung !


ganz so ist das nicht... erst vor kurzem sorgten ja funde in schiefergestein aus gabun für aufsehen, da darin ein fossil eines 2,1 mrd. jahre alten mehrzellers enthalten war (-> http://www.bbc.co.uk/news/10471599). das war im paläoproterozoikum und damit 1,6 mrd. jahre vor dem kambrium. auch die stromatolithen (die da aber eher eine ausnahme bilden) gibt es seit 3,5 mrd. jahren und sind auch durch 2,5 mrd. jahre alte fossilien belegt. also auch weit vor dem kambrium Smile.

und zu fossilien und sedimenten: sedimente gab es auch weit vor dem kambrium, da beispielsweise kalk aus schalen auf sedimente bildet. und wo schalen zum sediment bilden vorhanden sind, sind auch schalen als potenzielle fossilien vorhanden Wink. und schlussendlich ist schiefer ja auch ein metamorphes sedimentgestein Wink.
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Skype Status [www.SkypeRunners.com] Ryk
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Anmeldungsdatum: 01.01.2005
Beiträge: 868
Wohnort: Zürich
1860 Garnelen

BeitragVerfasst am: Mi Nov 17, 2010 23:46    Titel:

Hallo allerseits !

Natürlich sind heute "Lebensspuren" aus verschiedenen Schichten des Prä-Kambriums bekannt. Und zwar seit in der Paläobotanik Untersuchungen von An- und Dünnschliffen mittels der schon Eingangs zu diesem thread erwähnten Floureszenzmikroskopie auch von präkambrischen Gesteinen begonnen wurde. Damit wurden u.a. selbstverständlich Stromatolithen, lagig aufgebaute Algensedimente erkannt, die übrigens teilweise ihrer zeitspezifischen Gestalt wegen auch stratigraphisch verwendet werden.

Bei den ältesten Fossilien aus dem Tonschiefer und Quarziten der Overwacht-Schicht-Serie des Swasiland-Sytems in Südafrika handelt es sich um kugelige oder fädige Hüllen in der Grössenordnung von tausendstel Millimeter. Das Alter dieser organischen Reste wird radiometrisch auf rund 3,4 Milliarden Jahre bestimmt.

Dessen ungeachtet, auch wenn nach all diesen Spuren das Leben auf der Erde somit sehr alt ist, ist das unvermittelte Auftreten der meisten Tierstämme im Kambrium überraschend. Und es gibt m.W. auch noch keine klare Erklärung für das ""plötzliche"" Auftreten von hochorganisierter, typusmässig deutlich ausgeprägter Organismen, auch wenn man heute gut erhaltene Protozoen, Poriferen oder Coelenteraten aus dem Unter-Kambrium kennt.

Eines jedoch ist meines Erachtens sicher: Thales von Milet (624 - 546 v.u.Z)
hatte damals den entscheidenden Satz formuliert: ""Alles Leben ist im Wasser entstanden"" und damit bis heute Recht behalten.

Gruss Ryk
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